Urbane Nachverdichtung mit Holz.

Bauliche Nachverdichtung hat das Ziel, innerhalb einer bereits bestehenden Bebauung noch bestehende Freiflächen nutzbar zu machen – entweder durch neue Gebäude oder durch Aufstockung bestehender.

Dadurch wird der Wohn- oder Gewerberaum einer verbauten Fläche nachträglich erhöht. Das Konzept der klimafreundlichen Nachverdichtung ist in den vergangenen Jahren insbesondere in Städten in den Fokus gerückt und wird in Zukunft im urbanen Raum noch weiter an Bedeutung gewinnen.

Denn in vielen deutschen Städten herrscht schon heute ein großes Platzproblem: Das Wohnen in Innenstädten ist begehrt, Mietpreise steigen seit Jahren und vielerorts herrscht Wohnungsmangel. Das Angebot kann die Nachfrage nicht decken und die zusätzliche Versiegelung von Böden stellt keine Alternative dar, da sie oft mit negativen ökologischen Folgen einhergeht. Zudem sind die Städte gezwungen, den CO₂ Ausstoß zu senken, um künftig Strafzahlungen wegen Überschreiten der Grenzwerte zu vermeiden.

Die Lösung für diese vielfältigen Herausforderungen ist die Nachverdichtung mit Holz. Sie erschließt zu mit vergleichsweise geringem Aufwand weitere Wohn- und Gewerbeflächen, wirkt gleichzeitig zusätzlicher Flächenversiegelung entgegen und unterstützt bei der Dekarbonisierung. Als langfristiger CO₂-Speicher ist Holz einer der klimafreundlichsten Baustoffe auf dem Markt und leistet einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Durch sein geringes Gewicht eignet sich Holz hervorragend dazu, bestehende Gebäude aufzustocken. So wird wertvoller Wohnraum in verdichteten Gebieten geschaffen. Der Anteil von Holzbauprojekten in deutschen Städten steigt seit Jahren an – und das zunehmen auch bei größeren Bauprojekten. Gleichzeitig nimmt auch der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum immer weiter zu – so wird für München bis 2025 ein zusätzlicher Bedarf von 250.000 zusätzlichen Wohnungen prognostiziert.

Neben Neubauten leistet auch das Sanieren und Modernisieren mit dem mehr als ausreichend nachwachsenden Rohstoff Holz einen Beitrag zum aktiven Klimaschutz. Eine Lebenszyklusbetrachtung und die Einhaltung von Grenzemissionen sollten daher verpflichtender Bestandteil von Bauprojekten sein.

Zusammengefasst lässt sich somit klar sagen: Im Kontext des modernen Städtebaus und der urbanen Nachverdichtung stellt Holz unter ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten somit ein optimales Baumaterial dar:

  • Mehr als ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen entstehen im Bausektor. Der verstärkte Einsatz von Holz als Baumaterial kann die CO₂-Emissionen signifikant reduzieren.
  • Während fossile Baustoffe endlich sind und immer knapper werden, ist Holz ein nachhaltiger Rohstoff, der in Bayern stetig nachwächst. Die verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung sorgt dafür, dass nie mehr Holz aus dem Wald entnommen wird, als nachwächst.
  • Holz speichert CO₂ dauerhaft, auch nach der Ernte. Auf diese Weise leistet der Holzbau einen aktiven Beitrag zur
  • Dekarbonisierung unserer Städte.
  • Holz ist regional verfügbar und muss nicht über lange Strecken importiert werden. Das spart auch beim Transport große Mengen von Treibhausgasemissionen ein.
  • Für die Herstellung von Massivbaustoffen wie Zement oder Beton werden große Mengen Energie benötigt, was zu einem hohen Ausstoß an Emissionen führt. Das ist bei Holz nicht der Fall.
  • Holzbauelemente punkten im Gegensatz zum Massivbau mit einem hohen Vorfertigungsgrad. Das spart auf der Baustelle nicht nur Zeit, sondern kommt in Form einer deutlich geringeren Lärm- und Staubbelastung auch den Anwohnern zugute.
  • Moderne Holzgebäude erfüllen selbstverständlich alle Anforderungen der Zukunft – sei es im Hinblick auf den Brandschutz, die Energieeffizienz oder die Schall- und Wärmedämmung.
  • Gebäude aus Holz sorgen für eine angenehme Atmosphäre sowie ein natürliches Raumklima und tragen nachweislich zum Wohlbefinden der Bewohner bei.

Holz bindet CO₂

Das Bauen mit Holz ist ein aktiver und effektiver Beitrag zum Klimaschutz. Denn durch die verstärkte Verwendung des nachhaltigen Rohstoffs im Bauwesen entsteht in Städten und Gemeinden gewissermaßen ein „zweiter Wald“. Die Fähigkeit von Holz, Kohlenstoff zu binden, wird langfristig und weit über die Lebensspanne der Bäume hinaus verlängert.

Aktive Waldbewirtschaftung sichert die Wälder für künftige Generationen

Verantwortungsvoll bewirtschaftete Wälder, aus denen regelmäßig Bäume entnommen werden, binden nachweislich mehr CO₂ als stillgelegte. Zudem treibt die aktive Waldwirtschaft den vor dem Hintergrund des Klimawandels dringend benötigten Waldumbau voran – hin zu klimastabilen Zukunftswäldern, die aus verschiedenen Baumarten bestehen und mit den veränderten klimatischen Bedingungen standhalten können. Damit schafft die Forstwirtschaft die Voraussetzungen, den Wald als Erholungsgebiete, Ökosysteme und Rohstoffspeicher auch für künftige Generationen zu erhalten.

Die Forst- und Holzwirtschaft sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor

Die Forst- und Holzwirtschaft sind in Bayern von großer ökonomischer Bedeutung. Sie garantieren vor allem im ländlichen Raum sichere Arbeitsplätze, stabile Umsätze und hohe regionale Wertschöpfung, sorgen für die qualifizierte Ausbildung junger Fachkräfte und tragen wesentlich zum Steueraufkommen der Gemeinden bei. In Bayern beschäftigt die Forst- und Holzwirtschaft aktuell mehr als 190.000 Menschen und zählt zu den Top Fünf Branchen des verarbeitenden Gewerbes. Im Freistaat gibt es in der Branche etwa 22.500 Unternehmen, die pro Jahr einen Umsatz von rund 37 Milliarden Euro erwirtschaften. Damit hat das Cluster Forst und Holz einen Umsatzanteil von 3,5 Prozent an der bayerischen Gesamtwirtschaft.

Holzbauinitiative der Staatsregierung

In Bayern entsteht aufgrund der vielen positiven Eigenschaften von Holz inzwischen rund jedes vierte Haus in Holzbauweise – Tendenz steigend. Das volle Potenzial von Holz als Baumaterial wird aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Im Mai 2021 hat die Bayerische Staatsregierung deshalb die Holzbauinitiative angekündigt. Insbesondere bei öffentlichen und kommunalen Gebäuden soll verstärkt auf Holzbauweise gesetzt, die Forschung in diesem Bereich intensiviert und regionale Rohstoffketten gestärkt werden. Mit der am 1. Juni 2022 veröffentlichten „Richtlinie zur Förderung von langfristig gebundenem Kohlenstoff in Gebäuden in Holzbauweise in Bayern“ wird der Freistaat Bayern den klimaschützenden Holzbau forcieren. Gefördert werden ab sofort kommunale und mehrgeschossige Holzgebäude mit 500 Euro je gespeicherte Tonne CO₂ bis zu einer Obergrenze von 200.000 Euro je Baumaßnahme.

Kommunale Förderprogramme

Viele Städte und Kommunen in Bayern haben das enorme Potenzial und die ökologischen Vorzüge des modernen Holzbaus erkannt und realisieren inzwischen Bauprojekte verstärkt mit dem nachhaltigen Rohstoff. Der Stadtrat der bayerischen Landeshauptstadt München hat beispielsweise Anfang 2022 ein Förderpaket für den Holzbau in Höhe von 60 Millionen Euro verabschiedet. Damit will die Stadt in den kommenden fünf Jahren bis zu 6.000 neue Wohnungen in Holzbauweise entstehen lassen. Derzeit läuft die Evaluation geeigneter Flächen und Quartiere.

Referenzen des modernen Holzbaus in Bayern

Moderne Holzbauobjekte wurden in Bayern bereits mehrfach umgesetzt. Sie zeigen, wie sich moderne Stadtentwicklung mit dem Klima- und Ressourcenschutz vereinbaren lässt.
proHolz Bayern stellt hier drei davon vor.

München: Prinz-Eugen-Park

Auf dem ehemaligen Kasernengelände im Stadtteil Bogenhausen im Münchner Osten ist seit 2016 Deutschlands größte ökologische Holzbau-Mustersiedlung entstanden. Dabei wurden rund 600 neue Wohnungen geschaffen. Welche Möglichkeiten der Holzbau architektonisch bietet, verdeutlicht der Prinz-Eugen-Park anhand unterschiedlicher Gebäudetypen bis hin zu 7-geschossigen Mehrfamilienhäusern.

Die Stadt München setzt mit diesem Projekt neue Maßstäbe im Bereich Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung und etabliert den modernen Holzbau für die Zukunft.

© Pk. Odessa Co / Lanz, Schels

München: Dantebad I + II

100 neue bezahlbare Wohnungen, errichtet in nur 180 Tagen in Holz-Systembauweise über einem öffentlichen Parkplatz: Das Pilotprojekt der GEWOFAG „Dante I“ hatte Vorbildcharakter in einer Stadt mit knappem Wohnraum wie München. In einem ausgeklügelten Taktverfahren wurden die vier Stockwerke in mehreren Abschnitten parallel hochgezogen. Im Werk wurden die Holzrahmenelemente inklusive Holzfenster und Außenverkleidung vorbereitet und mussten vor Ort nur noch montiert werden. Nach der Montage der Außenelemente und der großformatigen Wohnungstrennwände aus Brettsperrholzelementen wurden die vorinstallierten Fertigbäder eingehoben und die Einheiten mit einer Holzdecke geschlossen.

Dem Pilotprojekt „Dante I“ folgte "Dante II". Der zweite Stelzenbau hat größere Wohnungen für Familien. 88 der 144 Einheiten bieten drei Zimmer oder mehr. „Dante II“ wurde nicht als Riegel über den Stellflächen wie „Dante I“ errichtet, sondern als umlaufendes Karree am Rand eines anderen Parkplatzes am Dantebad. 145 Stellplätze wurden erhalten, 100 davon reserviert für die Besucher des Dantebads. Da Parkflächen in Ballungsräumen zum Beispiel an Supermärkten oder bei größeren Gewerbebetrieben vielfach zur Verfügung stehen, ist deren Überbauung mit Wohnraum in Holzbauweise sehr attraktiv, da keine zusätzlichen Bauflächen erschlossen werden müssen.

© Huber & Sohn GmbH & Co KG

Regensburg: Das „Haus auf Stelzen“

In der Oberpfalz haben die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) zwischen 2019 und 2021 ein innovatives Mehrfamilienhaus in Holzbauweise errichtet, das Platz für 33 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von über 900 Quadratmetern bietet. Es ist das erste Gebäude seiner Art in Regensburg und besteht aus rund 700 Kubikmetern Holz – das entspricht einer CO₂-Einsparung von rund 630 Tonnen. Die besondere Stelzenkonstruktion im Erdgeschoss und die besondere japanische Behandlung des Fassadenholzes in Schwarz machen das Gebäude auch optisch eindrucksvoll. Das „Haus auf Stelzen“ wurde im Sommer 2021 von Michaela Kaniber, Bayerns Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, offiziell eingeweiht.
Mehr dazu unter: www.holzbau-in-bayern.de

© Bayerische Staatsforsten

Die Bayerische Holzbau-Fachberatung für kommunale Entscheider

Im Planungsstadium von kommunalen Gebäuden ergeben sich viele Fragen, wenn der Holzbau als Option ins Auge gefasst wird. Um diese den Entscheidern in Kommunen, Städten oder Landratsämtern beantworten zu können, bietet die Cluster-Initiative Forst und Holz mit proHolz Bayern die Bayerische Holzbau-Fachberatung an. Denn konsequente Informationsarbeit und Beratung sind wesentliche Voraussetzungen für das Gelingen der Holzbauinitiative der Bayerischen Staatsregierung.

Die Holzbau-Fachberatung hat die Aufgabe, durch praktische Information, Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch dazu beizutragen, dass Holz im Bausektor künftig verstärkt zur Anwendung kommt – denn häufig finden sich noch Vorbehalte oder Wissensdefizite hinsichtlich der Verwendung von Holz als Baumaterial. Unbürokratisch und unverbindlich vermittelt die Holzbau-Fachberatung Interessenten für ihr konkretes Bau- oder Modernisierungsverfahren kompetente Ansprechpartner für eine kostenlose Erstberatung. Im frühen Stadium des Bauprozesses beantworten sie beispielsweise Fragen hinsichtlich der technischen Eigenschaften von Holz, beraten zu bau- und vergaberechtlichen Belangen, bei konstruktiven und statischen Herausforderungen oder informieren zu Vorgaben wie dem Brandschutz.

Weitere Informationen zur Bayerischen Holzbaufachberatung und den Kontakt zu den Fachberatern erhalten Sie unter nachfolgendem Link.

Zur Fachberatung

Die woodpassage.
Der Weg des Holzes – Vom Baum bis zum fertigen Haus

Wie der Weg des Holzes von den Bäumen im Wald bis zum fertigen Haus in der Stadt aussieht, das zeigt die „woodpassage“, die in Kooperation zwischen proHolz Bayern, proHolz Austria und Lignum Schweiz entstand. Die beeindruckende, begehbare Installation macht diese Transformation sinnlich erlebbar. Die woodpassage besteht aus rund 13 Kubikmetern Holz, womit sie selbst etwa 13 Tonnen CO2 dauerhaft bindet. Das entspricht der Menge an Kohlenstoffdioxid, die ein durchschnittlicher Pkw in rund 8 Jahren ausstößt. Die Menge an Holz, die für den Bau der woodpassage benötigt wurde, wächst in Europas Wäldern in einer halben Sekunde nach!

Um ein Zeichen für den nachhaltigen und klimafreundlichen Baustoff Holz zu setzen, tourt die woodpassage regelmäßig durch den deutschsprachigen Raum. Vom 5. bis zum 14. Juli 2022 ist sie im Vorfeld der Fachmesse „INTERFORST“ im Herzen Bayerns zu sehen – am Rindermarkt in der Münchner Innenstadt. Am 13. Juli wird Michaela Kaniber, Bayerns Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Installation gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche besuchen. Kommen Sie vorbei und erleben Sie die woodpassage mit eigenen Augen!

Weitere Infos zur woodpassage erhalten Sie unter nachfolgendem Link.

Zur woodpassage

proHolz Bayern und die Mitglieder unseres Kuratoriums:

Wir danken unseren Sponsoren für ihre Unterstützung der „woodpassage“ am Rindermarkt: