Interview
4. Juli 2018

4 Fragen an Pirmin Jung, Geschäftsführer der Pirmin Jung Ingenieure AG

Pirmin Jung ist ein Holzbauingenieur aus dem Kanton Luzern in der Schweiz. In der Fortbildungsreihe Holzbau kompakt referierte er über seine Praxiserfahrungen mit Holz als Baustoff. In der diesjährigen Tagung des Zukunftsnetzwerks Holzbau beeindruckte er mit einem Impulsvortrag zu „Visionen für den Holzbau“.

Sie sind ehrenamtlicher Präsident der Plant-for-the-Planet Stiftung Schweiz. Welche  Motivation haben Sie dafür?

Die Schülerinitiative Plant-for-the-Planet wurde 2007 vom damals 9-jährigen Felix Finkbeiner aus Starnberg gegründet. Inspiriert von Wangari Maathai, die in Afrika in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt hat, formuliert Felix seine Vision: Kinder könnten in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen. Für mich persönlich ist es eine besonders starke Botschaft: mit jedem Baum entziehen wir der Atmosphäre dauerhaft CO². Und wenn wir nun das Holz klug in langlebigen Produkten wie Holzgebäude einsetzen, dann betreiben wir tatsächlich aktiven Klimaschutz.

Hauptberuflich sind Sie Holzbauingenieur mit eigener Firma. Und Sie gestalten Aufsehen erregende Projekte wie das 2015 fertig gestellte Gipfelgebäude Chäserrugg oder ein,  aktuell in der Montage befindliches, 15-geschossiges Hochhaus in Rotkreuz im Kanton Zug. Was ist das spannende an solchen Projekten?

Die zur Verfügung stehende Bauzeit ist gerade oben in den Bergen extrem kurz und der Chäserrugg war nur mit der Gondelbahn erreichbar – Helikopterflüge auf ein absolutes Minimum beschränkt. Ein Gebäude für diese Höhe bzw. für diese extremen Witterungsverhältnisse zu planen ist auch eine bautechnisch schwierige Aufgabe. Da braucht es eine schnelle Bauweise mit einem möglichst hohen Vorfertigungsgrad, abgestimmt auf den Transport mit der Seilbahn – auch dafür ist Holz ein idealer Baustoff. Und auch gestalterisch und ästhetisch spricht vieles für den regionalen Baustoff Holz, wie man auf dem Chäserrugg sieht.

Buchen-Brettschichtholz kann bei speziellen Tragwerken aufgrund seiner hohen Festigkeit eine extreme Leistungsfähigkeit erreichen.
Pirmin Jung Geschäftsführer der Pirmin Jung Ingenieure AG

Wo sehen Sie die Zukunft des Bauens?

Weltweit wächst der Bedarf an Wohnungen und Häuser in den nächsten vier Jahrzenten für weitere rund 4 Mrd. Menschen. Eines der großen Megatrends dabei ist sicher die weitere Verstädterung, die Allermeisten dieser Wohnungen werden in urbanen Räumen entstehen. Dies zieht große Ressourcenprobleme nach sich. Bereits jetzt trägt die Herstellung von Beton mit 7 % zum gesamten jährlichen CO²-Ausstoss bei. Das heißt der Klimaschutz und Ressourceneffizienz aber auch Arbeitsplätze in der Region werden immer wichtiger. Von diesem Aspekt her ist Holz unschlagbar und wird sicher Marktanteile gewinnen. Und auch bezüglich Innovation wird Holz immer vielseitiger. Z.B. kann Buchen-Brettschichtholz bei speziellen Tragwerken aufgrund seiner hohen Festigkeit eine extreme Leistungsfähigkeit erreichen.

Was können wir in Mitteleuropa positiv zu diesen Megatrends einbringen?

Ich bin überzeugt, dass wir in Mitteleuropa in der nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Wälder und in der Wertschöpfungskette bis hin zum Holzbau sehr gut aufgestellt sind und diesen Wissen auch stärker in andere Regionen der Welt übertragen sollten. Wir sollten uns noch stärker vernetzen, Innovationen gezielt voranbringen und die Vorteile von Holz noch stärker in die Gesellschaft kommunizieren. Deshalb freut es mich sehr, dass die Cluster und proHolz-Organisationen in der Schweiz, Österreich und Süddeutschland seit einiger Zeit eng zusammenarbeiten und bald mit einer gemeinsamen Ausstellung durch den deutschsprachigen Raum touren werden.