Klimaschutz
6. Oktober 2020

30-Millionen-Bäume-Programm für mehr Klimaschutz

Pünktlich zur beginnenden Pflanzsaison im Herbst starten die Bayerischen Staatsforsten in diesen Tagen mit der Pflanzung und Saat der von der Bayerischen Staatsregierung beschlossenen Klimawald-Kulturen. „Über eine Million zusätzliche Klimawald-Bäume werden wir noch im Herbst und Winter 2020 zur Bewältigung des Klimawandels pflanzen und säen“, so Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten. Ziel der zusätzlichen Klimawald-Bäume ist es, den Umbau der bayerischen Wälder im Zuge des immer schneller voranschreitenden Klimawandels hin zu klimatoleranten und stabilen Mischwäldern zu beschleunigen. Die Bayerischen Staatsforsten pflanzen mit den neuen Klimawald-Bäumen insgesamt rund 6 Millionen junge Bäume jährlich für den Zukunftswald von morgen. „Bis Ende 2024 werden wir 30 Millionen neue Bäume im Staatswald pflanzen“, so Neumeyer weiter. „Unser Ziel ist es, diesen Umbau schneller als bisher geplant abzuschließen: Bis 2030 wollen wir im Bayerischen Staatswald den Waldumbau schaffen. Über die Hälfte des Waldumbaus ist schon erreicht. Jetzt müssen wir in den nächsten 10 Jahren mit Hochdruck noch ca. 85.000 Hektar schaffen. Dabei hilft uns das Klimawald-Programm von Ministerpräsident Söder und Forstministerin Kaniber sehr“, so Staatsforsten-Chef Neumeyer weiter. Aufgrund der notwendigen beihilferechtlichen Prüfung durch die EU und günstigerer Pflanzbedingungen im Herbst erfolgt der Start der Klimawald-Pflanzungen im Oktober.

Mindestens 4 Bäume als Ziel auf Bayerns StaatswaldflächenEntscheidend für den erfolgreichen Waldumbau und die Zukunftsfähigkeit des Waldes für kommende Generationen ist es, die richtigen Baumarten einzusetzen, d.h. Baumarten zu nutzen, die dem Klimawandel – also höheren Temperaturen, mehr Trockenheit, weniger Niederschlägen – standhalten. Die heimischen Baumarten bleiben dabei weiterhin die tragende Basis eines klimagerechten Waldbaus. Hier wird es allerdings eine Verschiebung in der Baumartenzusammensetzung geben. „Wir müssen auf bewährte Baumarten setzen wie Tanne, Eiche, Douglasie, Buche – aber auch auf ältere, oft in Vergessenheit geratene Baumarten wie Elsbeere, Flatterulme, Esskastanie, Kirsche, Eibe, Feldahorn, Sommer-/Winterlinde. Wir werden zu einer größeren Vielfalt im Wald kommen. Das bedeutet künftig mindestens 4 verschiedene Baumarten auf einer Fläche“, so BaySF-Waldbau-Vorstand Reinhardt Neft. Ziel der Klimawald-Kulturen ist es, dass die neuen Bäume deutlich klimatoleranter sind als diejenigen, die ersetzt werden. Fichten und Kiefern werden in Bayerns Zukunftswäldern langfristig deutlich weniger Anteile haben als heute. Insgesamt werden in diesem Herbst mehr als eine Million neue Bäume auf 380 Hektar Waldfläche zusätzlich gepflanzt oder gesät, davon 86 Prozent Laub- und 14 Prozent Nadelbäume. Absoluter Schwerpunkt wird in diesem Herbst auf der Pflanzung und der Saat von Eichen liegen (rd. 850.000 Stk.), die als tiefwurzelnde heimische Art in ganz Bayern eine sehr günstige Klimaprognose hat. Auch können die Försterinnen und Förster in diesem Jahr eine natürliche Eichenmast – also eine starke Ausbildung von Eicheln – als Saatgut für den Zukunftswald nutzen. Auch Weißtannen (rd. 100.000 Stk.), Buchen (rd. 100.000 Stk.) und Douglasien (50.000 Stk.) spielen eine wichtige Rolle beim Waldumbau. Der Rest verteilt sich auf weitere Baumarten wie Edelkastanie, Elsbeere, Kirsche, Spitzahorn, Eibe, Ulme und Wildobst. Bayerns Schwerpunkte bei den Klimawald-KulturenDer Klimawandel wirkt sich in Bayern regional unterschiedlich aus. Schon heute zeigt sich, dass die Anzahl der Tage mit einer eingeschränkten Wasserversorgung für die Wälder nördlich der Donau stärker angestiegen ist als südlich der Donau. Trotz der Erwartung, dass es im Allgemeinen wärmer wird, muss weiterhin mit kalten Wintern und Spätfrösten gerechnet werden. Dies gilt insbesondere für einige Regionen in Südbayern. Dies muss bei der Baumartenwahl berücksichtigt werden. Nordbayern: Borkenkäfer-Schadflächen im Frankenwald und Trockenschäden an Buchen und Kiefern in ganz FrankenBesonders hart durch Trockenheit, Hitze und Borkenkäfer getroffen hat es in den letzten beiden Jahren den Frankenwald sowie Teile Ober-, Unter- und Mittelfrankens. Um die Schadflächen im Frankenwald aufzuforsten und die dort schwer geschädigten Fichtenbestände umzubauen, werden hier hauptsächlich Eichen und Tannen gepflanzt. Beide Baumarten zeichnen sich durch eine deutlich höhere Trockentoleranz sowie eine geringere Schädlingsanfälligkeit aus.  Auch in anderen fränkischen Landesteilen – bspw. im Spessart, der Fränkischen Platte sowie in den Staatswaldgebieten um Forchheim und Pegnitz – haben Trockenheit und Hitze zu Schäden an Fichten, Buchen und Kiefern geführt. Neben der Eiche, Tanne und Douglasie werden hier auch seltene heimische Baumarten wie Elsbeere, Kirsche und Edelkastanie Teil der neuen Klimawald-Kulturen sein.Südbayern: Schneebruch-Schäden in Berchtesgaden und Schäden des Sturms Sabine im AllgäuIn Südbayern werden die Staatswälder rund um den Forstbetrieb Berchtesgaden am stärksten durch die zusätzlichen Klimawald-Kulturen unterstützt. Auf einer Fläche von insgesamt knapp 30 Hektar pflanzen die Forstwirtinnen und Forstwirte der Bayerischen Staatsforsten in den kommenden Wochen vor allem Tanne, Buche und Eibe, um den durch einen Wintersturm geschädigten Bergwäldern zu helfen. Aber auch seltene, trockenheitstolerante Edellaubhölzer wie Ulme, Sommer- und Winterlinde werden verstärkt in den Boden eingebracht, um einen stabilen und leistungsfähigen Bergmischwald zu begründen. Anders als in Franken werden hier Baumarten benötigt, die an das alpine Klima angepasst sind.Im durch den Februarsturm Sabine schwer getroffenen Forstbetrieb Sonthofen im Allgäu spielen neben den genannten Bäumen zudem auch die Douglasie sowie Eiche und Kirsche eine wichtige Rolle.