Mit Wald leben

Heimat, Tradition und Kultur

Jahrhunderte lange Tradition der nachhaltigen Bewirtschaftung haben den Wald so werden lassen, wie wir ihn heute kennen und schätzen. Schon vor über 300 Jahren wurde festgeschrieben, dass im Wald nie mehr Holz geerntet werden darf, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann. 1713 formulierte Oberberghauptmann Hans-Carl von Carlowitz erstmals dieses Prinzip der Nachhaltigkeit in seinem Buch „Sylvicultura Oeconimica – Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“. Er ist somit der Begründer des heute so wichtigen Begriffs und Prinzips der Nachhaltigkeit nach dem die Forstwirtschaft auch heute noch handelt.

Bayern ist Waldland. Über ein Drittel der Fläche Bayerns ist bewaldet – vom Spessart bis zur Zuspitze. Von den 2,6 Millionen Hektar Wald sind 56% in Privatbesitz, 30% gehören dem Staat, 12% Gemeinden, Kirchen oder Stiftungen und 2% der Bundesrepublik Deutschland. 700.000 Waldbesitzer bewirtschaften diesen grünen Schatz, ernten den ökologischen Bau-, Werk- und Energiestoff Holz und sorgen für eine hohe und wachsende Artenvielfalt. Wissen, Erfahrung, handwerkliches Können und Verantwortung sind hier von Generation zu Generation weitergegeben worden.

Weitere Zahlen zum Wald in Bayern liefert die Bundeswaldinventur

Über ein Drittel der Fläche Bayerns ist bewaldet

Staatsfläche
Körperschaftswald
Staatswald (Land)
Staatswald (Land)
Privatwaldfläche
bis 5 ha
5 bis 20 ha
20 bis 200 ha
über 200 ha

Kulturlandschaft und Erholungsraum

Unser Wald ist Kulturwald und Teil der Kulturlandschaft Bayerns. Der Wald steht als Synonym für Natur. Die Menschen schätzen ihn vor allem als Erholungsraum und zum Atmenholen. Sie gehen im Wald spazieren, wandern oder nutzen die Waldwege für Radtouren. Zugleich produzieren die Bäume sehr viel Sauerstoff. Als grüne Lunge ist der Wald deshalb vor allem in der Umgebung von Ballungsräumen von herausragender Bedeutung.

Wem gehört der Wald?

Unser Wald. Unsere Verantwortung

Alle Menschen dürfen den Wald zur Erholung nutzen. Ihn zu pflegen und zu bewirtschaften obliegt den vielen hunderttausend Waldbesitzern. In Bayern sind dies Waldbauern und kleine Privatwaldbesitzer mit wenigen Hektar Wald, große Waldbesitzerfamilien mit mehreren 100 Hektar Wald, staatliche, kommunale, kirchliche Eigentümer sowie Stiftungen. So verschieden die Bewirtschaftungsformen auch sind, sie alle vereint der Sachverstand und die große Verbundenheit ihrer Besitzer mit dem Wald. Jeder Waldbesitzer sollte dabei die umfangreichen Möglichkeiten seines Waldes für sich und für die Gesellschaft nutzen. Nur eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung und Pflege bewahrt die Werte, die in Ihrem Besitz stecken.

Ein Wald wird in der Regel über 100 Jahre alt. In seiner Entwicklung durchläuft er bis zur endgültigen Hiebsreife verschiedene Phasen. Der Eigentümer muss im Laufe einer Baumgeneration immer wieder wichtige Entscheidungen treffen. Ganz zu Beginn steht im Zuge der Bestandesbegründung die Baumartenwahl. In den Folgejahren sorgen regelmäßige Pflegemaßnahmen für eine optimale Waldentwicklung. Im reifenden Bestand gilt es wiederum auf eine naturgemäße Verjüngung und deren Wachstumsbedürfnisse zu achten, wie beispielsweise ausreichend Licht oder Schutz vor Frost. Im Rahmen der Verjüngung ist der gezielte Waldumbau zu einem gemischten, zukunftsfähigen Wald eine wichtige Aufgabe des Besitzers. Professionell unterstützt werden z.B. die Privatwaldbesitzer durch fachlich qualifizierte Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse und forstliche Dienstleistungsunternehmen. Ihnen zur Seite stehen die staatlichen Förster der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die zumindest eine kostenlose Erstberatung anbieten..

Johann Killer, Waldbesitzer

Ich als Waldbesitzer gestalte durch meine Arbeit ein wichtiges Stück Heimat.

Wie sieht unser Wald aus?

Die Waldfläche nimmt in Bayern seit 30 Jahren kontinuierlich zu. Der Anteil der Laub- und Mischwälder ist dabei auf knapp ein Drittel gestiegen. Grund ist vor allem die Anfälligkeit von Monokulturen gegenüber Stürmen und den sich ändernden Klimaverhältnissen mit längeren Trockenperioden. In Bayerns Wälder wachsen 62 verschiedene Baumarten, darunter 18 seltene Arten wie Elsbeere, Eibe und Moorbirke. Hauptbaumarten sind Fichte, Waldkiefer, Weißtanne, Rotbuche und Eiche.

Facts

62 verschiedene Baumarten
18 seltene Baumarten

Wald schützt und ist geschützt

Förster und Waldbauern bewirtschaften unsere Wälder naturnah und nachhaltig. Deshalb ist der Wald Heimat für viele Tiere und Pflanzen. Je nach Zusammensetzung des Waldes in Bayern leben dort zwischen 7.000 und 14.000 verschiedene Tier- und 4.000 bis 6.000 Pflanzenarten, zu denen auch Moose, Farne und Pilze zählen. Ein wichtiger Lebensraum für viele dieser Lebewesen sind abgestorbene Bäume, das sogenannte Totholz. Als Zersetzungsprodukt speichert es zudem Wasser und Nährstoffe im Waldboden und schützt junge Bäume. Daher ist Totholz ein wichtiger Indikator für die Naturnähe eines Waldes. Auch in Wirtschaftswäldern werden mittlerweile ausreichende Totholzmengen aufgebaut und so naturnahe Strukturen geschaffen. Zwischen 2002 und 2012 stieg der Totholzanteil in Bayern um 5 Millionen Festmeter an.

Viele Waldbesitzer lassen sich ihre Bewirtschaftungsweise zertifizieren. Etwa 80% der Waldfläche haben das Gütesiegel PEFC, das soziale, ökonomische und ökologische Aspekte der nachhaltigen Bewirtschaftung gleichermaßen berücksichtigt.

141.000 Hektar Wasserschutzgebiete im Wald leisten einen wichtigen Beitrag für sauberes Trinkwasser. 185.000 Hektar Bannwald in Ballungsräumen dienen der Erholung, bieten Lebensraum für Tiere und Pflanzen und mildern Temperaturextreme. Und 189.000 Hektar Schutzwald vor allem in den Alpen und in den Mittelgebirgen bewahren Mensch und Natur vor Lawinen, Muren und Überschwemmungen. Ohne Schutzwald wären viele Regionen nicht oder nur mit aufwendigen technischen Schutzvorkehrungen bewohnbar.

Darüber hinaus wirkt der Wald ausgleichend auf unser Klima und reinigt die Luft, er bindet Kohlendioxid und trägt so zur Verminderung des sogenannten Treibhauseffektes bei. Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald hat nachweislich stets eine bessere Klimaschutzwirkung als ein nicht genutzter Wald.

Basis für den Schutz des Waldes sind Gesetze, rechtlichen Vorgaben und freiwillige Selbstverpflichtungen der Waldbesitzer. Zudem gilt ein seit Jahrhunderten gelebter Generationenvertrag: Die Enkel ernten, was die Großväter gepflanzt und gepflegt haben.

Weitere Informationen zum Naturschutzkonzept Natura2000 Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung PEFC

Facts

14.000 verschiedene Tierarten
6.000 Pflanzenarten
80% Waldfläche mit PEFC-Siegel
141.000 Hektar Wasserschutzgebiet
189.000 Hektar Schutzwald
158 Naturwaldreservate

Wald bewirtschaften

Wir wirtschaften mit der Natur

Durch eine naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung kann unser Wald alle seine Leistungen dauerhaft und auch in Zukunft erfüllen: Der Wald produziert mit Holz einen nachwachsenden, heimischen und ökologischen Rohstoff. Wald bietet Raum zur Erholung, schützt Menschen und das Klima.

Wald wird erlebbar

Jeder Bürger hat das Recht, den Wald zu betreten. Dieses freie Betretungsrecht ist im Bayerischen Waldgesetz verankert. Den Zugang in die Wälder ermöglichen Waldwege und Forststraßen, die von Waldbesitzern angelegt und unterhalten werden.

Die proHolz Bayern Waldschilder

Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holzverwendung stellt die Zukunft unserer artenreichen Wälder sicher. Um den Menschen Sinn und Zweck einzelner waldbaulicher Maßnahmen zu erläutern, haben proHolz Bayern und seine Partner Informationsschilder entwickelt.

Diese Waldschilder stehen an ausgewählten Standorten in Bayern und verweisen auf die Leistungen der Waldbesitzer und welche Vorteile sich daraus für die Allgemeinheit ergeben. Zudem wird auf jedem Schild die zuständigen Ansprechpartner für Fragen rund um Wald und Holz in der Region bekannter gemacht.

Wir pflegen. Sie erleben.

Das Schild „Wir pflegen. Sie erleben.“ begrüßt die Besucher und gibt ihnen erste Informationen zur Waldpflege und heimischen Holzverwendung mit auf den Weg. Die Schilder stehen an stärker frequentierten Waldorten und Forstwegen.

Wir pflegen. Sie profitieren.

Holzpolter an Waldwegen sind das häufigste Zeichen der Waldbewirtschaftung. Das Schild „Wir pflegen. Sie profitieren.“ verweist auf die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von regionalem Holz, etwa als Rohstoff für die Papierproduktion, für den Bau von Häusern, Möbel oder Spielwaren.

Wir pflegen. Sie genießen.

Waldbewirtschaftung bedeutet: säen, pflanzen, pflegen und ernten. Dafür steht das mobile Waldschild „Wir pflegen. Sie genießen.“ Das Schild wirbt um das Verständnis der Waldbesucher für die Pflegemaßnahmen und weist darauf hin, dass etwa nach der Holzernte auch einmal ein Weg beschädigt sein kann.

Ökonomie ist der Motor der Ökologie

Unsere Wälder sind die Existenzgrundlage für viele Menschen – an vielen unterschiedlichen Arbeitsplätzen. Die Forst- und Holzwirtschaft ist eine der wichtigsten Branchen im Freistaat Bayern. Sie sichert 196.000 Arbeits- und Ausbildungsplätze überwiegend im ländlichen Raum. Die von klein- und mittelständischen Betrieben dominierte Holz- und Papierwirtschaft erwirtschaftet einen Umsatz von jährlich 37 Milliarden Euro. Da die Produktionsstätten fast ausschließlich im ländlichen Raum liegen, ist dieser Bereich besonders stark in die Strukturen der ländlichen Wirtschaft eingebunden.

Weitere Informationen zur Wirtschaftsleistung der bayerischen Forst- und Holzwirtschaft liefert die Clusterstudie Forst, Holz, und Papier 2015
196.000

Arbeitsplätze in der Wald- und Forstwirtschaft

Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Cluster Forst und Holz an allen Beschäftigten.

unter 2%
2 bis 5%
5 bis 8%
über 8%

Wald schafft Holz

Eine einzige Sekunde dauert es in Bayerns Wäldern, bis ein Kubikmeter Holz nachgewachsen ist. Pro Minute wächst so viel Holz nach, dass man ein Holzhaus daraus bauen kann. 29,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Der Freistaat Bayern verfügt über rund 5 Milliarden Bäume und einen Holzvorrat von rund 1 Milliarde Kubikmeter, das sind rund 400 Kubikmeter je Hektar Waldfläche. Damit hat Bayern den höchsten Holzvorrat Europas. Noch vor Frankreich, Finnland oder Schweden.

1 Sek. bis ein 1m³ Holz nachgewachsen ist
Jährlicher Holzzuwachs
24.030 alle Eigentumsarten
14.648 Privatwald 2.650 Körperschaftswald 6.369 Staatswald (Land) 363 Staatswald (Bund)
Jährliche Holznutzung
22.341 alle Eigentumsarten
12.963 Privatwald 2.581 Körperschaftswald 6.485 Staatswald (Land) 312 Staatswald (Bund)