Es ist Zeit, den Wert und die Möglichkeiten des heimischen Holzes zu erkennen und stärker zu nutzen. Regionale Produzenten sind zurecht stolz auf ihre Erzeugnisse, natürlich auch in Bayern. Die Verbraucher schätzen zunehmend regionale Lebensmittel und Produkte. Dadurch entsteht Wohlstand in den Regionen. Die Überlegung hinter dieser Art der Wertschöpfung ist einfach: Wenn es meinem Nachbarn gut geht, geht es mir gut. Nirgends haben die Bürger durch nachhaltiges Wirtschaften, Bauen und Konsumieren so viel Einfluss auf die Natur und die Kulturlandschaft wie in ihrem direkten Umfeld. Regionale Wertschöpfung heißt daher in erster Linie, die heimischen Rohstoffe und Produkte der lokalen und regionalen Wirtschaft zu nutzen. Unsere vielfältigen, nachhaltig naturnah bewirtschafteten Wälder und das heimische Holz werden vielfach im landwirtschaftlichen und ländlichen Bauen verwendet.

Mit der Besinnung auf Jahrhunderte alten Traditionen gelingt es die Brücke zu schlagen zu einer vermehrten Verwendung von Holz als Baustoff des 21. Jahrhunderts in modernen Holzbaukonzepten und landschaftsgebundener Architektur.

Praxisbeispiel - Zeitgemäßer Stall

Projekt INTERREG IV Bayern-Österreich

Projektziele

  • Sicherung einer zukunftsfähigen Landbewirtschaftung durch kompetentes Planen und Bauen im Rahmen regionaler Kreisläufe
  • Förderung der Bauqualität von Neubauten für landwirtschaftliche Betriebe im Kontext traditioneller Baukultur
  • Optimierung des Netzwerkes und der Wertschöpfungskette für heimisches Holz (landwirtschaftliche Betriebe, Säger, Zimmerer, Tischler, Planer, Beratung)
  • Stärkung des regionalen Anteils beim Holz und Holzbau
  • Ökonomischer und ökologischer Vergleich von Holz als Bau- und Dämmstoff bzw. Energieträger


Praxisbeispiel Zeitgemäßer Stall – Jürgen Königl

Was versprechen Sie sich von dem Projekt?

„Bessere Luft im Stall, gesunde Tiere, geringere Kosten, die Möglichkeit, viel Eigenleistung zu erbringen, ein schönes Gebäude, beste Erweiterungsmöglichkeiten. Einfach einen zukunftsfähigen Stall.“

Warum realisieren Sie das Pilotprojekt und wie sind Ihre Erfahrungen?

„Die Erweiterbarkeit des Modulstalls der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat uns gefallen. Wir haben sie in der Werkplanung und darüber hinaus erfolgreich umgesetzt. Mit Eigenleistung und Holz aus der Region konnten wir ökonomisch sinnvoll in die Umsetzungsphase gehen. Jetzt schon hat sich das Modulbausystem bewährt, denn wir werden den Stall größer realisieren, als ursprünglich angedacht. Das funktioniert ohne negative Auswirkungen auf die Basis der Gruppenhaltung oder anderer Arbeitsabläufe im Stall.“

Wie haben Sie die regionale Wertschöpfungskette genutzt?

„Alles kommt aus der nächsten Umgebung: Holz haben wir vom
Nachbarn gekauft. Koppelpfetten und Bretter kommen vom zehn Kilometer entfernten Sägewerk Abele in Hohenrad. Im Sägewerk Bestler in Sulzberg werden Giebelwände, Stützen, Kleinteile geschnitten und abgebunden.“

Was ist Ihr Resumee?

„Kuhkomfort, Eigenleistung, Ökobilanz und die Kosten sind optimiert. Das liegt tatsächlich an der einzigartigen, erweiterungsfähigen Planung. Der Modulstall der LfL ist ökologisch und ökonomisch überzeugend. Jetzt muss sich noch zeigen, ob wir nach dem Stallbezug erfolgreich wirtschaften und mit den Arbeitsbedingungen zufrieden sind. Ich bin optimistisch.“

Interview mit Jürgen Königl

Gute Gründe für heimisches Holz in landwirtschaftlichen Bauten

Mit der Besinnung auf Jahrhunderte alten Traditionen gelingt es die Brücke zu schlagen zu einer vermehrten Verwendung von Holz als Baustoff des 21. Jahrhunderts in modernen Holzbaukonzepten und landschaftsgebundener Architektur.

Gute Gründe für heimisches Holz in landwirtschaftlichen Bauten:

  • 2,5 Mio ha Wald stehen in Bayern. Das sind 36% der Landesfläche. Holz ist lokal verfügbar, sichert kurze Transportwege, spart Ressourcen.
  • 190.000 wohnortnahe Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft bedeuten Wohlstand für den ländlichen Raum.
  • 35 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet die Branche allein in Bayern. Die regionale Wertschöpfungskette stärkt die örtliche und regionale Wirtschaftskraft.
  • Rund 90% des in Bayern verarbeiteten Holzes kommt aus Bayern. Fast 70% bleibt vor Ort in den Regionen.
  • Über 60% der Fichtenvorräte stocken im Privatwald (zurzeit wichtigste Bauholzart). Er weist die höchsten Reserven über alle Waldbesitzarten auf.
  • Alle 6 Minuten wächst ein landwirtschaftliches Gebäude in Holz aus Bayern. Pro Minute wachsen 60 Festmeter Rundholz = 36 m³ Schnittholz, der Holzbedarf für ein Stallgebäude mit 150 Milchkühen liegt bei 240 m³ Schnittholz.
  • 60% der bayerischen Holzvorräte sind im Besitz von Waldbauern. Die Ressource aus dem Bauernwald wird bisher nur zum Teil genutzt. Hier ist noch viel Potenzial gegeben.

"Unser naturnaher Wald erfüllt viele Funktionen und birgt große Schätze. Einer davon ist das Holz. Mit diesem wunderbaren Roh- und Werkstoff lassen sich unsere Wohn- und Wirtschaftsgebäude umweltschonend und wertschöpfend gestalten."
Ignaz Einsiedler, Waldbauer

Holz ist der Baustoff der Zukunft

Holz ist

  • nachwachsender Baustoff
  • Kohlenstoffspeicher
  • regional verfügbarer Baustoff der kurzen Wege
  • hocheffizientes Dämmmaterial

Bauen mit Holz bedeutet

  • kostengünstige und schnelle Errichtung der Gebäude
  • Einbringung von Eigenleistung
  • Nutzung sehr guter bauphysikalischer Eigenschaften
  • günstig im Bauunterhalt
  • einfache Erweiterbarkeit und Umnutzung
  • wiederverwertbar

Landwirtschaftliche Gebäude aus Holz sind

  • wichtiger Teil der Kulturlandschaft
  • Beitrag zum landschaftsgebundenen Bauen
  • Beleg für eine wirtschaftlich starke Region

zitiert aus „Broschüre Bauen in regionalen Kreisläufen ZLF“